Dienstag, 19. August 2008

Wussten Sie schon

dass der berühmte französische Dichter Victor Hugo (1802-1885, Der Glöckner von Notre-Dame, Les Misérables) auch eine braune Kraftsuppe erfunden hat? Hier ist der Beweis.


Madame Hugo trägt auf.

Schreibman, der sich schon immer für die Höhere Kochkunst interessiert hat, wollte einfach mal ein paar dieser berühmten Sammelbilder von Liebig's Fleisch-Extract mit dem überflüssigem Apostroph als Original in Händen halten.

Diese Schätze der Kunst- und Kulturgeschichte gibt es bei Ebay schon ab 3,50 Euro für eine Themenserie von sechs beidseitig bedruckten Bildchen. Zu allen Themen.

Ich überlege jetzt noch, was ich damit mache. Ich glaube, ich werde sie mir rahmen lassen.

Diese Serie ist schon mal für die Küche.

Mal sehen, ob ich noch was für's Schlafzimmer finde.

Montag, 18. August 2008

Nur meine Zahnärztin

versteht mich. Da können die beiden anderen Dental-Schnösel, mit denen ich grade zu tun hatte, sofort einpacken, aber echt.

Sie setzt mir immer, auch wenn sie nur an einem toten Zahn ein bisschen rumfeilt, ungefragt eine saftige Spritze. Noch Stunden, nachdem ich ihre Praxis verlassen habe, ist mein halbes Gesicht total taub. Aber ich weiss wenigstens, dass es nicht wehgetan hat.

Sie ist eine flotte Berlinerin, dass man glatt auf dumme Gedanken kommen könnte. Doch Schreibman bleibt korrekt, Kultbuch-Leserinnen wissen das.


Heimlich fotografiert, als sie sich über mich beugte

Dagegen der vom Notdienst, wo ich Samstag war. Macht wild rum, röntgt und meint, das könnte dies oder das sein. Gegen das eine wollte er es mit einem Antibiotikum versuchen, gegen das andere mit Werkzeug. "Aber nicht ohne Spritze", sagte ich. "Wie, Spritze, der Zahn ist doch total tot. Sie werden gar nichts spüren." - "Ich möchte bitte eine Spritze", sagte ich. "Tot oder lebendig". Setzt der Bursche mir doch glatt so eine Nadel und wartet überhaupt nicht, bis sie gewirkt hat. Macht einfach weiter. Klar, bei Placebo-Spritzen muss man nicht lange warten. Ich fühlte mich echt verarscht und hatte noch vier Stunden danach ein leidgeprägtes Gesicht und wahnsinnige Zahnschmerzen.

Heute ging ich dann wieder zu ihr. Sie war sehr besorgt um mich. Das ist es ja, was ich an ihr – unter anderem – so schätze. Sie musste vier Kieferchirurgen anrufen, bis sie einen fand, der nicht in Urlaub oder im Geldsee ertrunken war. "Haben Sie Ihren Wagen dabei?" fragte sie mich. "Können Sie fahren? Das sind fünfzig Kilometer und um fünf machen die zu".

"Ich bin topfit", antwortete ich ihr in einem Ton wie ich ihn an mir mag.

Bis ich die Adresse der Metzgerei gefunden und meinen Wagen französisch geparkt hatte, war es fünf. Ich kam in den Laden rein, kam sofort dran und es war ein blutiges Gemetzel, das ich so schnell nicht vergessen werde. Als ich die Schlachtbank verliess und noch eine lange Blutspur hinter mir her zog, meinte der Gebisszieher, ich solle morgen wiederkommen.

Das werde ich mir noch schwer überlegen, dachte ich bei mir. Vielleicht gehe ich doch lieber zu ihr. Sie weiss, wie man mit einer zarten Seele wie mir umgehen muss. Und wenn es was zu extrahieren gibt, schickt sie mich einfach zu so einem Kieferklempner.

Sie kann mich eben nicht leiden sehen.

Freitag, 15. August 2008

Schreibmans Eier


Hier waren sie drin

Neulich dachte ich, Mensch Schreibman, Du könntest Dir doch mal eine warme Mahlzeit zubereiten. Du kannst das doch. Musst doch nicht immer nur Brote und abends vor dem Fernseher Studentenfutter und Schokolade.

Nun hatte ich ja schon einmal Eier in einem Topf mit heissem Wasser gekocht, was mir sehr gut gelungen war. Ich hatte gleich mehrere ganz hart gekocht, die konnte man dann auch noch kalt vor dem Fernseher. Denn alleine an den Esstisch sitzen, womöglich noch mit Deckchen und so, iss nich. Das ist echt ätzend und langweilig, nur zu essen, wenn man alleine am Tisch sitzt, ausser man hat eine Zeitung, dann weiss man wenigstens, wo man hinkucken soll. Denn nur auf den Tisch kucken, ob mit oder ohne Deckchen, ist einfach, nee, das fange ich gar nicht erst an.


Bei schönem Wetter kann man natürlich auch hier essen, weil die Küche ist direkt hinter der Tür hinter dem bunten Stuhl, und den Blick in den Garten schweifen lassen. Meistens stellt man dann fest, dass der Rasen bald wieder gemäht werden muss, also das Gelbe vom Ei ist das auch nicht unbedingt, um jetzt mal im Bild zu bleiben.

Das war jetzt eine Ausnahme, das mit der warmen Mahlzeit, denn ich war länger in Bewegung als ich am Tisch sass. Will sagen, man kriegt das ziemlich schnell gegessen.

Ich gab also halb Olivenöl und halb Butter in die eigens dafür gereinigte Pfanne und erhitzte. Währenddessen schlug ich drei Eier in eine grosse Tasse, rührte das mit einer Gabel ein bisschen um, bis zumindest die Dotter geplatzt waren. Inzwischen war das Zeug in der Pfanne heiss und ich leerte die Tasseneier rein. Dann schnitt ich schnell eine grosse Tomate klein, kratzte ein bisschen mit der Gabel in der Pfanne rum und schüttete dann, zu einem bestimmten Zeitpunkt, den nur ich kenne und der mein Küchengeheimnis ist, den Tomatenkram drüber. Ich fummelte noch ein bisschen mit der Gabel an den Tomatenteilen rum, dass sie in Bewegung blieben und nur leicht von beiden Seiten angewärmt wurden. Und fertig.


Der Topf links steht noch von den harten Eiern von neulich da. Die Pfanne muss man sich natürlich ganz rund vorstellen, nicht so abgeschnitten wie auf diesem Bild.

Das ganze lässt man dann elegant aus der Pfanne auf einen grossen Teller gleiten und kann statt der Tomatenteile auch quer durchgeschnittene halbierte Bananen ohne Schale nehmen.


Ich zeig' die Pfanne lieber doch noch mal ganz, damit man deutlich sieht, dass sie richtig rund und abgeschlossen sein muss, denn auf dem vorigen Bild würde das Zeug ja rechts raus auf den Herd fliessen.

Ich glaube, dass man dieses Rezept endlos variieren kann. Werde es demnächst mal mit etwas anderem probieren, was aber vorläufig noch geheim bleibt, sogar mir selber.

Und was den Abwasch betrifft, gibt es nur vier Teile, die man schnell, am besten teilweise schon während des Essens, damit man sich nicht langweilt, abspült, nämlich Pfanne, Tasse, Teller und Gabel. Und zwar unbedingt in dieser Reihenfolge.

Die Gabel jedenfalls zuletzt, weil die braucht man vom Anfang bis zum Ende.

Will man mal chinesisch essen, nimmt man statt eines Gäbelchens einfach ein Stäbelchen.

Dienstag, 12. August 2008

Alben und Leben

So schöne Sammelbilder und Alben, die man damit füllte, bis sie irgendwann endlich komplett waren, gibt es heute nicht mehr.

Das ganze System war ein Symbol für den Wunsch nach Sinn und Kontinuität. Jedesmal, wenn man Haferflocken, Zigaretten oder Liebigs Fleisch-Extract kaufte, gab es ein neues Bildchen fürs Themenalbum.

Man hatte das Ziel vor Augen, so lange Haferbrei zu essen, zu rauchen und Suppe zu schlürfen, bis endlich das letzte freie Feld mit dem dorthin gehörenden Bildchen zugeklebt war und man ein komplett illustriertes Buch hatte.

Dieses Verfahren war im Prinzip völlig unsinnig und unpraktisch. Das Drucken ganzer Bücher mit Texten und bunten Bildern ist viel einfacher. Heute bekommt man zu jedem Taschenrechner, Radiowecker oder Handy ein dickes Buch in sieben Sprachen und mit tausend Abbildungen, als kostenlose Zugabe und zum Weglegen.

Man kann nichts reinkleben, kann mit den Texten in den sechs anderen Sprachen nichts anfangen, die Bilder sind weder schön noch mag man sie anschauen, sich auf den Nachttisch legen oder sie seinen Kindern vererben. Sie sind von Anfang an nur Altpapier.

Auch sind sie kein Symbol für Beständigkeit und den Sinn des Lebens.


Mehr als 200 Zigarettenbildchen dieser Reihe mit
Schauspielerinnen der 30er Jahre hat
RetroGerd gesammelt.

Dieser besteht darin, schöne Bilder zu sammeln, aus denen man etwas lernt, und sie in das richtige Album zu kleben, bis es komplett ist, und dann ein neues – Album oder Leben – zu beginnen.


Zur Welt der Sammelbilder geht's hier.

Montag, 11. August 2008

Harter Herr Hire

Monsieur Hire, der im französischen Wikipedia als Misanthrop bezeichnet wird, ist dies so wenig wie sein Schöpfer Georges Simenon. Er ist ein Aussenseiter und Sonderling in einem ergreifenden Film mit Sandrine Bonnaire

 

 

und Michel Blanc, der in der deutschen Version den werkgetreuen Titel "Die Verlobung des Monsieur Hire" (Les fiançailles de Monsieur Hire) trägt. Er läuft heute um 21.15 Uhr auf ARTE und basiert auf einem roman dur.

 

 

Den Begriff "harter Roman" prägte Simenon für seine Psychothriller, in die er sich beim Schreiben am frühen Morgen so hineinsteigerte, dass sein Hemd nach dem täglichen Kapitel schweissdurchnässt war. Die Maigret-Krimis dienten dem belgischen Autor dagegen zur reinen Entspannung, wie er mit leichtem Understatement gerne behauptete.

 

 

Denkwürdiges Sammelbild


Jesus verwandelte Wasser in Wein, Buddha macht es zu Fleischbrühe. Wahrscheinlich wegen der Kinder. Obwohl, ich hätte gedacht, dass er Vegetarier war.

Samstag, 9. August 2008

Olympisches Damenorchester

Freitag, 8. August 2008

Kölln

Schon vor 50 Jahren, als ich in Köln wohnte – das ist jetzt kein Kalauer – waren die Köllnflocken in der blauen Tüte bei Schreibmans sehr beliebt. Heute sind sie ein echtes Kultprodukt.

Deshalb konnte ich nicht widerstehen, beim Edeka zu einer Packung zu greifen, die ich noch nicht kannte und die sich zufällig genau in Augenhöhe befand.


Es war schon immer etwas teurer, einen guten Geschmack zu haben.

Suchbild


So sah es heute Morgen auf meinem Balkon aus. Entweder ist der Blitz eingeschlagen oder der starke Regen hat einen Teil des Baums zum Runterbrechen gebracht.
Kätzchen gefunden?

Donnerstag, 7. August 2008

Endstation Hauptbahnhof

Wie sich der Verfasser der Essays damals in den Turm von Schloss Montaigne zurückzog, so bezieht der Autor Schreibman ein Zimmer auf dem grossen Staighof des Heimatdichters Horst Lapp in Wolfach, um sich dort in Ruhe und Abgeschiedenheit der Philosophie zu widmen.

So könnte es laufen. Montaigne war erst 38, als er die Abgeschiedenheit wählte, ich bin schon 56. Also höchste Zeit, an meine Zukunft als Dichter, Schriftsteller und Philosoph zu denken.

Noch wohne ich allein in einem ganzen Haus. Ein Jahr Wohnrecht hat mir meine verstorbene Lebensgefährtin vermacht, bleiben noch gute neun Monate, bis ich ausziehen muss. Danach, dass ich nochmal eine Partnerin finde, mit der ich zusammen leben und trotzdem genug Zeit für mich allein haben könnte, sieht es im Moment nicht aus. Bleibt also der Gedanke an ein möbliertes Zimmer, irgendwo, bei fremden Leuten.

An diesen Gedanken muss ich mich erst mal gewöhnen. An Horst Lapp denke ich, weil ich ihn seit zehn Jahren kenne und er immer Zimmer zu vermieten hatte. Was Abgeschiedenheit betrifft, liegt sein Hof wirklich sehr abgeschieden. Ich hatte ihn gestern darauf aufmerksam gemacht, dass in der Wegbeschreibung auf seiner Webseite, die er nicht selber gemacht hat, weil er gar keinen Computer besitzt, gestanden hatte, man käme auf einer relativ langen Fahrt durch das abgelegene Tal an vier Bahnhöfen vorbei. Der Staighof sei dann der fünfte. Ja, das ist dann der Hauptbahnhof, lachte er.

Montaigne hatte gemeint, "Philosophieren heisst sterben lernen". Okay, das wäre also schon mal gesagt. Mein Lieblingszitat von ihm ist eher folgendes. "Wenn ihr das Leben genutzt habt, könnt ihr gesättigt und befriedigt scheiden. Und wenn ihr nichts damit habt anfangen können, wenn ihr es nutzlos vertan habt, da kann es euch doch erst recht gleichgültig sein, wenn es weg ist; was wollt ihr denn noch damit?"

Sein Leben zu nutzen kann nicht nur darin bestehen, sich auf den Tod vorzubereiten. Hier widerspricht sich Montaigne also selber, wenn man es streng nehmen will. Wollen wir aber nicht. Das ganze Leben besteht schliesslich aus Widersprüchen. Es sei denn, man hat den Glauben oder die Mathematik. In beidem bin ich nicht sonderlich gefestigt. So halte ich es lieber wie der Dachdecker. Wie? Der hat sich überhaupt nicht gehalten und dann ist er runtergefallen.

Zum Thema Dachdecker zitiert Montaigne Seneca. "Unglücklich ist, wer sich um die Zukunft sorgt" (Calamitosus est animus futuri anxius. Seneca, Epist. 98)." Sisyphos müsse man sich als einen glücklichen Menschen vorstellen, meinte Camus. Und wie sagte der Mann, der aus dem 20. Stock aus dem Fenster fiel, als er an der 2. Etage vorbeikam? "Bis jetzt ist doch noch alles gutgegangen."

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Wussten Sie schon
dass der berühmte französische Dichter Victor...
Schreibman - 19. Aug, 11:48
So weit
sind wir auch schon. ;o)
zuckerwattewolkenmond - 18. Aug, 21:35
Gute Idee,
die ich mal an einem Fleischtag ausprobieren werde....
Schreibman - 18. Aug, 20:56
Nur meine Zahnärztin
versteht mich. Da können die beiden anderen Dental-Schnösel,...
Schreibman - 18. Aug, 20:53
Dazu hätte ich noch...
Dazu hätte ich noch einen Tipp: Eine Scheibe Fleischkäse...
Jings - 18. Aug, 16:39

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Zuletzt aktualisiert: 19. Aug, 11:48

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